Es steht ja immer noch die Frage im Raum, was macht einen guten Marktforscher ausmacht. Von der bisherigen Diskussion konnte man vielleicht lernen, dass es basale Anforderungen gibt, die für alle Marktforscher unabdingbar sind und spezielle Anforderungen, die möglicherweise nicht verallgemeinert werden können. Vielleicht ist also gar keine abschließende Antwort auf diese Frage zu erwarten! Je nachdem…
Wohl aber kann man nochmal einige Aspekte hinzufügen und das Gesamtbild verfeinern. So ist letzte Woche auf dem Research Rockstar-Blog die spannende Serie “Principles of Remarkable Research” zu Ende gegangen und ich ziehe hieraus nochmal drei spannende Punkte für die Diskussion:
- Fachliche Integrität: Wenn andere Methoden (womöglich noch die der Konkurrenz) besser für ein Forschungsvorhaben geeignet sind, sollten wir das offen ansprechen – auch wenn wir dadurch Marge, oder gar ein ganzes Projekt verlieren. Wer seinen Kunden die Wahrheit verkaufen will, muss auch selbst für die Wahrheit einstehen.
- Forscherischen Ehrgeiz: Für einen Marktforscher gibt es keinen Status Quo, bei dem man selbstzufrieden stehen bleiben kann. Gerade weil wir uns unseren Forschungsgegenständen immer nur bestmöglich annähern können, dürfen wir es nie unterlassen, beim nächsten Mal nicht noch weiter kommen zu wollen. Dafür müssen wir nicht zuletzt offen sein, immer wieder neue Wege einzuschlagen.
- Soziale Verantwortung: Unsere Forschungsgegenstände sind keine gepressten Kunststoffkügelchen im Vakuum, sondern echte Menschen – mit eigenen Vorlieben, Abneigungen, öffentlichen Meinungen und auch Privatem, das sie unter allen Umständen für sich behalten wollen. Auch wenn wir dafür kein Geld bekommen: all das gilt es im Forschungsprozess ohne “Wenn und Aber” anzuerkennen, z.B. im Studiendesign (Vorlieben und Abneigungen), im Kontext sozialer Erwünschtheit (öffentliche Meinung) oder beim Datenschutz (Privatsphäre).
Beim zweiten Punkt fällt mir natürlich sofort Max Weber ein, der es in seinem berühmten Vortrag “Wissenschaft als Beruf” einmal so formuliert hat:
Wissenschaftlich aber überholt zu werden, ist – es sei wiederholt – nicht nur unser aller Schicksal, sondern unser aller Zweck. Wir können nicht arbeiten, ohne zu hoffen, dass andere weiter kommen werden als wir. Prinzipiell geht dieser Fortschritt in das Unendliche.
Solch ein nonchalanter Umgang mit der eigenen Fehlbarkeit, gepaart mit einer kompromisslosen Standesethik und einem hohen Maß an fachlichem Ehrgeiz, scheint mir schließlich ein recht brauchbares Paket für einen guten Marktforscher zu sein. Endgültig klären wird man das aber wohl nicht können – Anlass genug für alle Forscher, in dieser Frage einmal weiter kommen zu wollen…


